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"Ein wirklich schönes Amt"

Artikel vom 03.05.2012

„Ein wirklich schönes Amt“
Weinhoheit Julia Huber im Gespräch mit dem „Rundblick“

Am 52. Oberkircher Weinfest wurde Julia Huber aus Oberkirch-Wolfhag als neue Oberkircher Weinprinzessin inthronisiert. In der Zwischenzeit befindet sie sich bereits in der zweiten Hälfte ihrer Amtszeit, doch ist die Freude an der Aufgabe als Weinhoheit noch so groß wie am ersten Tag.

Die junge Sozialpädagogin löste im Spätsommer Stefanie Obrecht aus Oberkirch-Bottenau im Amt der Weinprinzessin ab. Mit einer Bewerbung für das Amt der Weinhoheit habe sie schon seit längerem geliebäugelt, gibt sie im Gespräch preis. „Beim Landjugendfest haben mich schon manche Wolfhäger darauf angesprochen, als ich am Weinstand gearbeitet habe, ob ich nicht einmal die erste Oberkircher Weinprinzessin aus Wolfhag werden wollte“, berichtet schmunzelnd Julia Huber. „Aber während meines Studiums wäre es zeitlich wohl kaum möglich gewesen“, erläuterte sie die Hintergründe für ihre Bewerbung. Aber mit dem Studienabschluss und ihrer Rückkehr ins Renchtal hat die Bewerbung wieder konkretere Formen angenommen. Hilfreich war da sicherlich, dass sie mit Veronika Kohler und Julia Fritsch zwei Freundinnen hat, welche als ehemalige Ortenauer Weinhoheit beziehungsweise Oberkircher Weinprinzessin, ihr Informationen aus erster Hand über Aufgaben und Amt geben konnten. Denn es galt im Fall der Auswahl, das Ehrenamt und die Arbeit unter einen Hut zu bringen. Neben ihrer Tätigkeit als Leiterin des Oberkircher Jugendzentrums ist Julia Huber noch in der Weinstube Renner tätig. „Aber alle haben mir eigentlich zu dem Amt und der Bewerbung geraten.“

„Anruf erreichte mich bei der Arbeit im Jugendzentrum“
Ein Selbstläufer ist eine solche Bewerbung jedoch nicht. Im Oberkircher Rathaus gehen Jahr für Jahr mehrere Bewerbungen um das Amt der charmanten Repräsentantin der Oberkircher Weine ein. In einem ausführlichen Gespräch müssen die Bewerberinnen ihre Motivation darlegen und davon berichten, was das Amt für sie bedeutet und ausmacht. Das Fachwissen zum Thema Wein spielt dabei noch keine hervorgehobene Rolle. „Der Anruf von Hauptamtsleiter Hermann Brüstle mit dem Angebot, die nächste Oberkircher Weinhoheit zu werden, hat mich bei der Arbeit im Jugendzentrum erreicht“, erinnert sich Julia Huber. Groß war natürlich die Freude in der Familie sowie im Freundes- und Bekanntenkreis, als sie davon berichtet habe. Gerade die Reaktion im Wolfhag war unglaublich. „Die Wolfhäger haben sich dann beim Maibaumstellen wirklich selbst übertroffen.“ Denn rechtzeitig zum Weinfest wurde nicht nur eine Tafel mit dem Portrait von Julia Huber an der Straße entlang ihres Heimatortes aufgestellt, sondern im Wolfhag direkt kündet auch stolz ein über die Straße gespanntes Banner von ihrer Herkunft. Beim Maienstellen war dann ganz Wolfhag auf den Beinen. Die Feuerwehrabteilung richtete den Maien auf, die Landjugend war anwesend und musikalisch umrahmt wurde alles von der Stadtkapelle. „Es waren wohl schon gut und gerne 300 Leute auf den Beinen.“

Das Weinfestwochenende ist das große Ereignis in der Regentschaft einer jeden Oberkircher Weinhoheit. Sie ist der strahlende Mittelpunkt an den vier Festtagen. Auch wenn die Terminfolge sehr dicht sei und man viele Stunden auf den Beinen sei, sei das Fest doch ein unglaubliches Erlebnis gewesen. Einige Zeit hätte es schon gedauert, bis sie alle Eindrücke so richtig verarbeitet hätte. Viel Zeit zum Verschnaufen blieb Julia Huber aber nicht. Denn die Monate September, Oktober und November sind traditionell schon mit besonders vielen Veranstaltungen im Kalender einer jeden Weinhoheit gefüllt. Über den Jahreswechsel wird es dann wieder etwas ruhiger, bevor es dann im April und Mai wieder anzieht. Dabei sei jeder Termin etwas Besonderes. „Gerade die Begegnungen mit den Menschen machen dabei das Amt einer Weinprinzessin aus“, betont Julia II. Ob nun Sternegastronom in Baiersbronn, bekannte Schauspieler aus dem Ensemble der „Fallers“ bei der Eröffnung des Wiesensteigs oder einfach nur der Austausch mit Weinfreunden über die Weine aus Oberkirch bei einer der vielen Veranstaltungen. „Viele Termine finden dabei in der Ortenau und im angrenzenden Schwarzwald statt.“ Eine Ausnahme war da sicherlich ihre Teilnahme in der offiziellen Delegation der Großen Kreisstadt beim großen Jubiläum zwischen Oberkirch und Oosterzele. Im vergangenen Jahr konnte die Städtepartnerschaft bereits ihr 20-jähriges Bestehen feiern, wofür Ehrengäste aus dem Renchtal nach Belgien reisten.

Von Rivalität keine Spur
Ein weit mehr als nur kollegiales Verhältnis besteht auch zu den anderen Weinhoheiten in der Ortenau. Bei vielen Messen und Veranstaltungen würde man sich regelmäßig wieder sehen. Eine Rivalität zwischen den einzelnen Weinhoheiten und deren Anbaugebiete bestehe nicht, betont Julia Huber. Vielmehr sei man ein regelrechter Blickfang, wenn all die Weinprinzessinen auf einer Veranstaltung, wie etwa beim Neujahrsempfang im Landratsamt, auftauchen. Dass dabei die Oberkircher Weinhoheit stets im Dirndl erscheine, findet Julia Huber keineswegs altmodisch, sondern vielmehr authentisch. Es mache schon wirklich viel Freude, den Oberkircher Wein so zu präsentieren.

Auch wenn jetzt bereits die zweite Hälfte ihrer Amtszeit angebrochen sei und sich damit ihrem Ende nähert, werde sie wohl das Ende ihrer Regentschaft nicht bedauern. „Es war ja immer klar, dass es nur zwölf Monate sein werden“, macht die amtierende Weinprinzessin deutlich. Die Zeit beschreibt sie als intensiv und interessant. Bereits jetzt steht für sie fest, dass sie auch zukünftig dem Oberkircher Wein treu bleiben wird. So wird Julia Huber auch weiterhin für das Weinhaus Renner arbeiten. „Und so die Freude am Weingenuss vermitteln.“ Damit im Widerspruch steht in keinster Weise ihre Tätigkeit als Sozialpädagogin im Oberkircher Jugendzentrum, wo ein striktes Alkoholverbot gilt. Alkohol verdammen will Julia Huber nicht, vielmehr will sie zum reflektierten und verantwortungsvollen Genuss anleiten. Viele der Jugendliche, die das Jugendzentrum besuchen, finden eine Weinhoheit als Leiterin toll. Vor allem, wenn es eine ist, der nicht eine Zacke aus der Krone fällt.

Maien wird zum Erinnerungsstück
Vor kurzem wurde „ihr“ Maien umgesägt. Aus dem Holz soll noch ein Erinnerungsstück für ihre Wohnung entstehen. Ihr Bruder, ein gelernter Zimmerer, will ihr dabei helfen. „Wir werden schon etwas finden.“ Die restlichen Monate ihrer Amtszeit mit all ihren Terminen will Julia Huber vor allem genießen. Es wäre zu wünschen, wenn die charmante junge Frau auch zukünftig die Spitzenprodukte der Winzer aus dem Renchtal und der Ortenau repräsentieren könnte.

Für Weinprinzessin Julia Huber ist bereits die 2. Hälfte ihrer Amtszeit angebrochen.
Für Weinprinzessin Julia Huber ist bereits die 2. Hälfte ihrer Amtszeit angebrochen.

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